Die Gefahren durch die Palmölproduktion

In der heutigen Zeit wird vermutlich jeder bereits etwas über Palmöl gehört, gelesen oder erzählt bekommen haben. Kein Wunder, denn Palmöl ist in unserem täglichen Leben allgegenwärtig. Es ist in unserem Essen, in Kosmetik, in Reinigungsmitteln und in unserer Kleidung. Durch seine billige Produktion beschert es multinationalen Großkonzernen Milliarden-Gewinne. Doch was sind die konkreten Gefahren und Verluste durch Palmöl? Wir geben einen Überblick.


Was ist Palmöl und wo kommt es her?

Palmöl ist vielseitig einsetzbar. Es ist ein essbares Pflanzenöl, das von Margarine und Seifen bis hin zu Shampoos und Kraftstoffen alles bereithält. Als ertragreichste Pflanzenölpflanze steigt die weltweite Produktion in die Höhe. Die Gesamtkapazität ist in den letzten zehn Jahren um 128% auf 58 Millionen Tonnen pro Jahr gestiegen.

Die überwiegende Mehrheit (85%) kommt aus Malaysia und Indonesien, wo die Frucht in den letzten vier Jahrzehnten für die weit verbreitete Entwaldung verantwortlich gemacht wird. Palmöl wächst in tropischen Gebieten rund um den Äquator. Jetzt suchen die Produzenten der Pflanze im Amazonas, im Kongo und auf Borneo nach neuen Plantagen. Große Flächen von Tropenwäldern und anderen Ökosystemen mit hohem Schutzwert wurden gerodet, um Platz für riesige Ölpalmenplantagen in Monokultur zu schaffen.

 

Verlust eines kritischen Lebensraums für gefährdete Arten

Die großflächige Umwandlung von Tropenwäldern in Ölpalmenplantagen hat verheerende Auswirkungen auf eine große Zahl von Pflanzen- und Tierarten. Die Ölpalmenproduktion führt auch zu einer Zunahme von Konflikten zwischen Mensch und Wild, da die Populationen großer Tiere in immer isoliertere Fragmente des natürlichen Lebensraums gedrängt werden. Die zerstörten Lebensräume enthalten häufig seltene und gefährdete Arten oder dienen als Wildtierkorridore zwischen Gebieten mit genetischer Vielfalt. Sogar Nationalparks sind stark betroffen. Dreiundvierzig Prozent des Tesso-Nilo-Nationalparks auf Sumatra - der als Lebensraum für den bedrohten Sumatra-Tiger eingerichtet wurde - sind inzwischen von illegalen Palmöl-Pflanzungen überrannt worden.


Luftverschmutzung

Die Verbrennung ist eine gängige Methode zur Rodung der Vegetation in natürlichen Wäldern sowie innerhalb von Ölpalmenplantagen. Bei der Verbrennung von Wäldern werden Rauch und Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt, wodurch die Luft verunreinigt und zum Klimawandel beigetragen wird. Brände in Torfgebieten sind besonders schwer zu löschen. Der Rauch und Dunst dieser Brände hat in ganz Südostasien gesundheitliche Folgen.


Boden- und Wasserverschmutzung

Eine Palmölmühle erzeugt pro Tonne Palmöl 2,5 Tonnen Abwasser. Die direkte Freisetzung dieses Abwassers kann zu einer Süßwasserverschmutzung führen, die die flussabwärts gelegene biologische Vielfalt und die Menschen beeinträchtigt. Obwohl die Ölpalmenplantagen insgesamt keine großen Nutzer von Pestiziden und Düngemitteln sind, kann die unterschiedslose Anwendung dieser Materialien Oberflächen- und Grundwasserquellen verschmutzen.


Bodenerosion

Erosion tritt auf, wenn Wälder gerodet werden, um Plantagen anzulegen, und kann auch durch das Anpflanzen von Bäumen in ungeeigneter Anordnung verursacht werden. Die Hauptursache für Erosion ist die Anpflanzung von Ölpalmen an steilen Hängen. Die Erosion verursacht vermehrte Überschwemmungen und Schlammablagerungen in Flüssen und Häfen. Erodierte Gebiete erfordern mehr Dünger und andere Mittel, einschließlich der Reparatur von Straßen und anderer Infrastruktur.


Der Klimawandel

Die Praxis der Entwässerung und Umwandlung tropischer Torfwälder in Indonesien ist besonders schädlich, da diese "Kohlenstoffsenken" mehr Kohlenstoff pro Flächeneinheit speichern als jedes andere Ökosystem der Welt. Darüber hinaus sind Waldbrände, die zur Rodung der Vegetation bei der Anlage von Ölpalmenplantagen genutzt werden, eine Quelle von Kohlendioxid, die zum Klimawandel beiträgt. Aufgrund seiner hohen Entwaldungsrate ist Indonesien der drittgrößte globale Emittent von Treibhausgasen.


Eine Alternative für Palmöl?

Natürlich gäbe es einige Alternativen für die Verwendung von Öl aus Palmkernen. Jedoch hat die Ölpalme den Vorteil, dass sie auf wenig Raum besonders viel Ertrag bringt und somit ihre Fette und Öle besonders günstig sind. Aus diesem Grund greifen viele Hersteller auf die Verwendung des Rohstoffs zurück. Ein strikter Verzicht auf Palmöl würde die Probleme allerdings nur temporär lösen und auf lange Sicht nur verschieben, da der Bedarf an Fetten weltweit trotzdem bestehen bliebe und es neue Wege gefunden werden müssten an billige Fette zu kommen. Alternativen, wie Raps oder Soja beispielsweise, benötigen sehr viel mehr Fläche und eine verlagerung der Produktion würde die Umweltprobleme somit auch nur verlagern und nicht lösen. 

Die einzige, nachhaltige Lösung besteht somit lediglich in der Einschränkung im Verbaucht von Ölen und Fetten eines einzelnen, um schlichtweg den Bedarf zu senken. Kombiniert mit einer mehr kontrollierten Produktion des Rohstoffs kann so mehr Rücksicht auf unsere Umwelt gelegt werden. 


von Christian Anton


Quellen: 

https://www.worldwildlife.org/industries/palm-oil

https://www.theguardian.com/sustainable-business/palm-oil-production-social-environmental-impacts

https://utopia.de/ratgeber/palmkernoel-verwendung-gewinnung-und-oeko-bilanz/

https://www.regenwald.org/themen/palmoel#start

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“The single biggest threat to our planet is the destruction of habitat and along the way loss of precious wildlife. We need to reach a balance where people, habitat, and wildlife can co-exist – if we don’t everyone loses … one day.” 

— Steve Irwin